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Eine bessere Welt?

Darüber kann man lange diskutieren, ob die Welt früher nicht besser war. Oder schlechter. Verändert hat sie sich jedenfalls.

Wenn man mich fragt, sage ich sofort: sie ist besser geworden, viel besser. Eins von meinen Hauptanliegen ist Sex. Das war auch schon vor siebzig Jahren so, da war ich fünfzehn. Das Wort Sex gab es damals noch nicht! Ehrlich! Ein Arzt wollte uns einmal aufklären. Der hatte es über Sexualität, aber er sprach das Wort so undeutlich aus, dass man es fast nicht verstehen konnte. Sex war offiziell verpönt, sicher als Gesprächsthema.

Hans van der Geest
Hans van der Geest

Für Heteros war das schon nicht angenehm, aber die konnten unter sich alles besprechen, mit derben Ausdrücken. Und lachen dabei! Für Schwule war die Situation unendlich viel schlimmer. Es gab uns einfach nicht, oder dann als krankhafte Stümper. Wenn du mal mit einem Kameraden zusammen wichsen wolltest, musstest du das nicht nur massiv verstecken. Nachher hattest du ein schlechtes Gewissen. Vergeudung des Samens, das war gefährlich und sündig.

Deine starken Gefühle für Freunde konntest du nicht zeigen, sie waren dir selbst schon ein Problem. Hilfreiche Vorbilder gab es nicht.

Und jetzt? Wie hat sich unsere Welt verbessert! Es gibt gängige Wörter und Ausdrücke für die sexuelle Erlebniswelt. Schon das allein ist eine Revolution!

Gewiss hätte ich heute auch Probleme, wenn ich nochmals fünfzehn Jahre alt wäre. Einen Freund fände ich schon, aber für wie lange? Bin ich echt homo, oder nur ein bisschen? Auch heute würde ich wohl gern eine Familie mit Kindern bekommen. Wie finde ich eine Frau? Weiß die denn von meinen Homosehnsüchten? Soll ich es ihr sagen?

Die Welt ist gewiss nicht einfacher geworden. Aber eindeutig besser. Die damaligen allgemein anerkannten Wertvorstellungen haben meine Jugendjahre ernsthaft verdorben. Ich musste das Innigste verstecken, ich hätte mehr Mut nötig gehabt als ich besaß, etwas von meinen Sehnsüchten zu realisieren.

Ja, drei-, viermal habe ich es gewagt, mit einem Jungen intim zu werden. Beide waren wir nachher verlegen damit. Darüber offen miteinander zu reden war gar nicht leicht. Meistens unterblieb es.

Fragen tauchten auf. Stimmt mit mir etwas nicht ganz? Wie wirken sich meine versteckten Handlungen vielleicht später noch aus?

Das ist heute vorbei, Gott sei Dank! Dafür mag es neue Probleme geben. Die können groß sein. Aber ich finde sie unendlich besser zu ertragen als die Tatsache, dass uns Alten früher so viel vorenthalten wurde.

Doch, die Welt ist besser geworden!

Hans van der Geest

Hans van der Geest

Hans van der Geest ist Pfarrer der reformierten Kirche gewesen. Geboren wurde er an der Nordsee, in Holland. Aber es zog ihn in die Berge, in die Schweiz. Mit seiner Bisexualität hat er Mühe gehabt. Erst mit 40 hat er sein schwules Verlangen ernst genommen. Als Theologe hat Hans van der Geest sich in den 70er und 80er Jahren für die Schwulen eingesetzt. Das hat ihm Feinde, aber noch mehr Freunde beschert. Die Bücher, die er schreibt, haben vor allem die Entstehung von Freundschaften und Regenbogenfamilien zum Inhalt. Sein besonderes Interesse gilt den Bisexuellen. Für sie ist das Leben oft noch komplizierter als für Schwule. In konservativen Kreisen ist dafür nicht immer viel Verständnis. Hans van der Geest möchte mit seinen Büchern da ein Fürsprecher sein.

Hans van der Geest schreibt Bücher, die im Himmelstürmer Verlag als Taschenbuch erscheinen, darunter Romance wie Wilde Treue.  Die Bücher von Hans van der Geest sind erhältlich im gutsortierten Buchhandel und im Onlinebuchshop des Himmelstürmer Verlages.

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